Inklusion am Arbeitsplatz

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Ohne Umwege auf den Arbeitsmarkt – trotz Down-Syndrom im Job„, titeln gestern die Westfälischen Nachrichten ihren Bericht über Sophie Hovestadt. Eigentlich eine tolle Geschichte, wenn da nicht die Sache mit der Wortwahl wäre. Umgehend prangere ich an, dass die Überschrift „trotz Trisomie 21 im Job“ implementiert, eine Beschäftigung mit Trisomie 21 auf dem ersten Arbeitsmarkt sei im „Normalfall“ nicht möglich. Man könnte also meinen, ein sozialversicherungsplfichtiges Beschäftigungsverhältnis wäre für Menschen mit Behinderungen generell nicht möglich.

Dabei sollte doch genau das, im Rahmen der Inklusion, zur Normalität gehören. Im Artikel 27 der UN Behindertenrechtskonvention erkennen die Vertragsstaaten jedenfalls an:

das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird.

Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen von Menschen mit Behinderungen sind bis heute in vielen Unternehmen dennoch die Ausnahme. Anders bei Sophie Hovestadt. Die 19-jährige arbeitet bereits seit fünf Monaten beim Münsteraner Integrationsunternehmen Münsteraner Dienstleistungsservice (MDS) GmbH. Gesellschafter des Integrationsunternehmens ist im Übrigen die Westfalenfleiß GmbH. Wie Inklusion am Arbeitsplatz aussehen kann, beschreibt MDS im eigenen Blog.

Auf meine Anregung hin haben auch die Westfälischen Nachrichten ihren Titel nach einem Abgleich bei Leidmedien.de angepasst. Herzlichen Dank an Julia Kwiatkowski für die Mühe.
DAS muss für heute reichen…

Paralympics ohne Delegation der Bundesregierung?

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Zu viel für einen Tweet, zu wenig für einen Blogpost – trotzdem habe ich etwas los zu werden. Hintergrund ist das „klare politische Zeichen an Russland“, das Verena Bentele heute im Morgenmagazin des ZDF sendete. Nach Aussage der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, wird die Bundesregierung keine Delegation zur morgigen Eröffnung der Paralympics ins russische Sotchi schicken. Die Lage auf der Krim ist sicherlich Grund genug deutliche Signale nach Russland zu schicken, jedoch stelle ich infrage, inwiefern eine solche Entscheidung eine weitere Signalwirkung hat: die Geringschätzung der Sportler. Sportler, die lange für die Teilnahme an den Paralympics gearbeitet haben. Menschen mit Behinderungen, die genau so hart für ihren Traum gekämpft haben, wie die Olympioniken, die Ihre Medallien auf dem Medals Plaza in Sotchi bereits in Empfang nehmen durften. Verena Bentele sollte als zwölffache Paralympics-Siegerin wissen, welche Bedeutung die Wertschätzung des Sports für die Teilnehmer hat.

Hoffentlich handelt es sich nur um ein Mißverständnis. Immerhin hat ein Sprecher des Innenministeriums den Aussagen von Verena Bentele bereits widersprochen. Staatssekretär Ole Schröder (CDU) wird seine Reise nach Sotchi wohl antreten. Schade, dass er offenbar ohne die Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen reisen muss. Ich freue mich auf den sportlichen Wettkampf und DAS muss für heute reichen…