Berufsbegleitend studieren – Meine Erfahrungen mit der FHM Bielefeld

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Fachhochschule des Mittelstands (FHM)
(c) Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Bielefeld / Quelle: www.fh-mittelstand.de

Für viele Abiturienten stellt sich nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Schullaufbahn die Frage: Was nun? Studieren oder arbeiten?
Ich selbst musste mich mit dieser Frage nicht mehr beschäftigen, als ich 2010 an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld immatrikuliert wurde. Bereits sechs Jahre lang hatte ich zu diesem Zeitpunkt die Vorzüge des Berufslebens genießen dürfen. Gleichzeitig habe ich immer wieder berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch genommen, u. a. zum Bürofachwirt im Personal- und Rechnungswesen, Betriebswirt HWK und zum Qualitätsbeauftragten und internen Auditor. Und so habe ich mich auch 2010 für ein berufsbegleitendes B.A.-Studium der Betriebswirtschaftslehre mit seinen besonderen Herausforderungen entschieden.

Ziel

Mit Hilfe des Studiums wollte ich Grundkenntnisse festigen und auf den vorhandenen Kenntnisstand weiter ausbauen. Ziel des berufsbegleitenden Studiums an einer privaten Fachhochschule sollte es sein, die Erfahrungen aus dem eigenen Arbeitsalltag in die fachliche Persönlichkeitsentwicklung einfließen zu lassen. Die Wahl einer passenden Fachhochschule schien mir insofern sinnvoll, als das die Hochschulen selbst praxisorientierte Lehrmethoden bevorzugen, ohne aber den wissenschaftlichen Anteil völlig außer Acht zu lassen. Das Studium war und ist also Teil meiner individuellen Karriereplanung und Persönlichkeitsentwicklung. Die Frage war nur: welche Hochschule soll es sein?

Auswahl der Hochschule

Meine Wahl fiel seinerzeit auf die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld aber warum? Durch meine Weiterbildung zum Betriebswirt HWK im Handwerkskammerbildungszentrum Münster bin ich auf die FHM aufmerksam geworden, da beide Bildungsträger miteinander kooperieren. Wer sich zu einem Studium des Handwerksmanagements entscheidet hat mit dem Abschluss des Betriebswirts die Möglichkeit, das Studium um ein komplettes Jahr zu verkürzen. Ich fühlte mich allerdings eher in der Betriebswirtschaftslehre zu Hause.

Bei der Entscheidung für die FHM haben sicherlich viele Faktoren eine Rolle gespielt. Was mich allerdings an der Bielefelder Hochschule besonders gereizt hat, war die Kombination aus interaktiven, ortsunabhängigen Lehrveranstaltungen und Präsenzphasen an FHM in Bielefeld. Das mich der Einsatz von Web 2.0 – Applikationen generell fasziniert, muss ich an dieser Stelle sicher nicht weiter ausführen.

Darüber hinaus kooperiert die FHM Bielefeld mit einer Großzahl an ortsansässigen Unternehmen des Mittelstands. Dannemann, Oetker, Bertelsmann und Gerry Weber seien beispielhaft genannt. Und auch der örtliche Fußballverein, dessen Namen ich als Münsteraner aber sicher nicht ansatzweise in den Mund nehmen werde, gehört zu den Partnern der FHM.

Die Liste der freien Dozenten am Campus ist lang. Aber auch hier ist der Bezug zur Praxis deutlich spürbar. Die Praktiker haben beispielsweise die Geschäfte der Herforder Brauerei oder der Hamburger Börse geführt. Viele sind hauptberuflich in unterschiedlichen Wirtschaftsberatungsgesellschaften oder nahmhaften KMU tätig und nur eine gefühlte handvoll bringt keine Auslandserfahrungen mit.

Rundum also durchaus ein ansprechendes Gesamtpaket, welches die FHM Bielefeld dem wissbegierigen Studenten bietet. Die Größe der Studiengruppen (etwa 20 Kommilitonen) ermöglicht dabei einen direkten, intensiven Austausch zwischen Studierenden und Dozenten.

Erfahrungen

Mittlerweile habe ich 3/4 meiner gesamten Studienzeit von 12 Trimestern erfolgreich hinter mich gebracht. Der erwartete praxisbezogene Ansatz hat sich bewahrheitet und der Abschluss „Bachelof of Arts der Betriebswirtschaft“ rückt in greifbare Nähe. Aber welche Erfahrungen mit dem berufsbegleitenden Studium habe ich gemacht? Und sicherlich noch wichtiger: Wo sehe ich persönlich (aus Sicht eines Studierenden) noch Verbesserungspotentiale?

Interaktivität

An die interaktive Gestaltung der Lehrangebote habe ich große Erwartungen gestellt. Mir lag die ortsunabhängige Teilhabe an Studieninhalten, verbunden mit der Möglichkeit zur persönlichen Beteiligung sehr am Herzen. Prof. Dr. Stefan Bieletzke hat an der FHM dazu das sogenannte TraiNex entwickelt: http://prezi.com/rmmh-eo_z4zt/trainex-prasentation/ Hier laufen alle relevanten Informationen zusammen: persönliche Informationen & Daten, Noten, Lehrmaterialien, Raum- und Studienpläne… Das System bildet die zentrale Verwaltung für jeden Studierenden. Einen Verbesserungsvorschlag zum System selbst habe ich den Entwicklern trotz meiner Euphorie für das TraiNex gemacht: es fehlt eine Art EtherPad zur kollaborativen Bearbeitung von Texten, zum Beispiel zur Gruppenarbeit während der Online-Vorlesungen. Bis dahin finden die Studenten aber sicherlich auch weiterhin eigene Hilfsmittel.

Auch die Online-Vorlesungen werden über das TraiNex organisiert. Bei der Durchführung der Vorlesungen greift man allerdings auf eine externe Lösung für Web-Konferenzen zurück und bedient sich Adobe Connect. Mir persönlich gefällt das System hervorragend, aber ich bin eben auch einer dieser Digital Natives. Im Rahmen einer Vorlesungsreihe zum Projektmanagement durfte ich im Rahmen eines Referats aus der Rolle des Konsumenten in die Rolle des Produzenten wechseln. Von daher sind mir die Möglichkeiten der Web-Konferenz von beiden Seiten aus bekannt. Aus meiner Sicht ist das System mit Abstand die sinnvollste Möglichkeit zur interaktiven Gestaltung von Vorlesungen, wenn die wichtigstens Grundvoraussetzungen geschaffen sind: ausreichende Bandbreite, Headset und ggf. Web-Cam sowie technisches Geschick und Grundwissen zur Anwendung des Systems.

Die Grundvoraussetzungen waren in vielen Fällen jedoch leider das entscheidende K.O.-Kriterium. Und das trifft beide Seiten der Beteiligten: während es einigen Kommilitonen selbst heute noch an einem Headset fehlt, waren einige Dozenten nicht in der Lage das Online-Tool einzusetzen. Wenn der Einsatz möglich war, gab es größtenteils keine interaktiven Veranstaltungen, sondern eine einseitige Vorlesung vom Dozenten. Mir persönlich hätte die gezieltere Nutzung sämtlicher technischer Möglichkeiten besser gefallen, denn so wurden die Onlinevorlesungen oftmals zur Tortur.

Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Einzelnen Dozenten ist es immer wieder gelungen, die Vorlesung mittels technischer Hilfsmittel ansprechend zu gestalten und die Studenten einzubeziehen und sogar Gestaltungsmöglichkeiten zu bieten.

Studienplanungen / Zeitplan

Das gesamte Studium erstreckt sich über einen Zeitraum von 12 Trimestern, also insgesamt vier Jahre. Sicherlich auf den ersten Blick eine ziemlich lange Zeit, in der neben dem Beruf das Studium, Familie, sonstige terminliche Verpflichtungen und auch die Freizeit mit einander koordiniert werden müssen. Klar ist, dass jeder Student Abstriche machen muss. Dennoch sollte man eine ausgeglichene Work-Life-Balance nicht aus den Augen verlieren.

Bei der Planung des Studiums wird einem durch die Fachhochschule eine Menge Arbeit abgenommen. Den Studienplan veröffentlicht die FHM einmal jährlich, eine Anmeldung zu Klausuren ist nicht nötig. Stattdessen stehen Klausuren grundsätzlich zum Ende eines jeden Trimesters an festen Terminen auf dem Plan. Grundsätzlich eine tolle Dienstleistung am Studenten. Trotzdem gibt es gerade im Bereich der zeitlichen Abstimmung einzelner Module aufeinander doch ein wenig Nachbesserungsbedarf.

So haben wir in unserer Studiengruppe BW07TZ beispielsweise das Modul „Wissenschaftliches Arbeiten II“ erst nach der SiP-Phase, einer wissenschaftlichen Praxisarbeit, auf dem Plan gehabt. Im neunten Trimester fliegen uns gerade die Module Rechnungswesen II, Controlling, Finanzmanagement und BWL II um die Ohren. Sicherlich inhaltlich sinnvoll, allerdings teilweise etwas schwierig, da unter den einzelnen Dozenten offenbar keine Abstimmung stattfindet, wer welches Themengebiet abdeckt. So gibt es teilweise Wiederholungen und Überschneidungen. Außerdem stellenweise konkurrierende Aussagen zu ähnlichen oder gleichen Sachverhalten. Unsere Aufgabe in der Klausurphase wird’s dann wohl sein, die Inhalte nicht durcheinander zu werden.

Apropos Klausurphase: im Laufe unserer Studienwoche standen vier Tutorien an. Grundsätzlich stellt das sicherlich erstmal kein Problem dar. Was allerdings in der Planung eher unglücklich ist: die Klausuren werden alle samt nach den anstehenden Sommerferien geschrieben. Und das innerhalb von kürzester Zeit. Schade, dass es andere Phasen im Laufe des Studiums gab, in denen kaum Klausuren geschrieben wurden. Vllt. ist es möglich die Leistungserbringung noch etwas gleichmäßiger zu verteilen.

Das kommende Jahr verspricht noch einmal Spannung, aber ich bin mir sicher, dass sich auch der Druck der letzten 18 zu erbringenden Leistungsnachweise durch disziplinierte Lernmethoden in Grenzen halten lässt.

Zusammensetzung der Studiengruppen

Grundsätzlich sind die Studiengruppen mit ca. 20 Studierenden relativ klein und überschaubar. Durchaus eine Größe, in der sich optimal arbeiten lässt. Sicherlich ergibt sich die Anzahl der Studierenden zwangsläufig aber auch aus den Anmeldezahlen, so dass es sicherlich zu Abweichungen kommen kann. Ich kann dabei nur die Zusammensetzung des berufsbegleitenden Studiengangs beurteilen. Dabei profitieren die Studiengruppen sicherlich davon, dass unterschiedliche Charaktäre aus verschiedenen Regionen, vor allem aber aus teilweise völlig unterschiedlichen Unternehmen aufeinander treffen. So ist ein Blick über den Tellerrand hinaus möglich. Außerdem bietet sich ein aktives, berufliches Networking an – innerhalb der eigenen Studiengruppe aber auch auf dem Campus.

Inwiefern es sinnvoll ist, berufsbegleitende Studenten mit Berufserfahrungen zwischen ein und zehn Jahren zusammen mit dualen Studiengängern, also Auszubildenden die gleichzeitig Studieren, zu unterrichten stelle ich gern zur Diskussion. Ich persönlich sehe das Bildungssystem eher zweischneidig, da doch die Lernmethoden der Kommilitonen unterschiedlicher Ausprägung sind. Denn wer gerade seine schulische Laufbahn hinter sich gebracht hat, lernt sicher noch nach einer anderen Methodik, als der Praktiker. Während also das schulische Lernen eher wissensorientiert ist, ist das lernen im praktischen Bereich unter Umständen eher darauf ausgelegt, dass das Vermittelte Wissen selektiert und gefiltert wird. Dabei versucht der Studierende den praktischen Ansatz zu verstehen, zu adaptieren und in seinem Arbeitsbereich anzuwenden. Andere Dinge werden unter Umständen im Hinterkopf gespeichert und bei Bedarf noch mal angelesen.

Betreuung

Ich persönlich habe im Laufe meines Studiums die Erfahrung gemacht, dass ich grundsätzlich auf Dozenten und Hochschulverwaltung zurück greifen kann. Unabhängig davon, ob es eine Frage zu Inhalten einer Vorlesung gibt oder ob gewisse administrative Aufgaben von Nöten waren. Sämtliche Belange werden in der Regel zeitnah (und damit meine ich zeitnah im Sinne von kurzfristig) bearbeitet und erledigt. Selbst fachliche Frage außerhalb der eigenen Vorlesungsreihen dürfen jeder Zeit gestellt werden. Eine individuelle und freundliche Betreuung die durchaus auch ihren Preis hat.

Finanzierung

Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld ist eine private Fachhochschule, die sich vor allem über die Studiengebühren der Teilnehmer finanziert. Für einen Arbeitnehmer, der sich neben seiner beruflichen Beschäftigung weiter qualifiziert gibt es sicherlich unterschiedliche Möglichkeiten zur Finanzierung der 435 € im Monat. Je nach Finanzierung sind die Studiengebühren natürlich steuerlich geltend zu machen. Der Student erhält dafür ein komplettes rundum Paket.

Fazit

Das Studium zum Bachelor of Arts der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule des Mittelstands ist meiner Meinung nach ein sinnvolle Investition in die fachliche Weiterbildung und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung. Wer an der FHM studiert hat die Möglichkeit über Dozenten und Kooperationspartner Kontakte in den Mittelstand in OWL zu knüpfen und aktives Networking zu betreiben. Für die Amortisation der Investition ist der Studierende am Ende seiner Weiterbildung selbst verantwortlich.

Ich würde es jeder Zeit wieder tun und kann die FHM – mit Verweis auf die o. g. Verbesserungspotentiale – nur empfehlen. DAS muss für heute reichen…

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