#caritasdigital – Recap der Caritas Digital-Werkstatt

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#caritasdigital, die Digital-Werkstatt der Caritas Webfamilie, warf schon lange ihre Schatten voraus. Anfangs stieß die erste digitale Konferenz der karitativen Einrichtungen in Deutschland (und in der Schweiz) offenbar noch auf zurückhaltende Resonanz, während ich mich bereits wie ein Honigkuchenpferd freute, als ich endlich die Einladung auf dem Bildschirm hatte. Am Ende fand sich allerdings eine gut 80 Personen starke Crowd zur zweitägigen Konferenz im Spenerhaus Frankfurt ein. Schon Ende 2011 lieferte ich mir mit Markus Lahrmann einen kleinen Schlagabtausch zur #followerpower in der Caritas. Nach den letzten zwei Tagen sehe ich uns beide irgendwie bestätigt. Aber zurück zur #caritasdigital.

Erste Herausforderungen der #caritasdigital

Die Veranstaltung hatte von Anfang an all das, was eine digitale Konferenz so braucht:

  • Bahn-Chaos durch einen Stellwerksbrand irgendwo im Nirgendwo
  • zu wenig Steckdosen und nicht genügend Hamsterräder für stromfressende Smartphones, Tablets und Laptops
  • diese unglückliche Standardmeldung beim Versuch das WLAN-Netz zu nutzen:

#caritasdigital error

Digitale_Schnittstelle #caritasdigital

Bekennerschreiben zum WLAN-Defekt

Dank intensiver Arbeit der Techniker stand das Internet am Nachmittag wieder zur Verfügung. Bis dahin freuten sich die mobilen Netzbetreiber in Frankfurt über die zunehmende Auslastung der Mobilfunk-Netze. Es lebe die Datenflat. Die Ursache des Ausfalls blieb im Übrigen vorerst unbegründet. Mit Berufung auf zuverlässige Informaten lag das Problem offenbar in der digitalen Schnittstelle (siehe Bild).

Für uns, die Delegation der Freiwilligen Sozialen Dienste (FSD) Bistum Münster, kamen damit schon in den ersten Stunden vor Ort bahnbrechende Erkenntnisse ans Licht. Sobald wir zurück in Münster sind, werden wir für künftige Konferenzen und die ortsunabhängige, digitale Arbeit unumgänglich notwendige Hilfsmittel anschaffen. Schon bald werden UMTS-Router und Powerbank zur Standardausstattung für Handlungsreisende in Sachen Neuland gehören.

 

Zurück zum Inhalt der #caritasdigital

Den Veranstaltern ist es gelungen hervorragende Keynote-Speaker für die #caritasdigital nach Frankfurt einzuladen. Mein persönliches Highlight im Programm war wohl ganz klar Vivian Pein. Das liegt allerdings in erster Linie daran, dass mir ihr Buch „Der Social Media Manager“ ein treuer Begleiter und ein hilfreiches Nachschlagewerk im Rahmen meiner Social Media Aktivitäten ist. Meine Rezension zum Buch habt ihr im vergangenen Jahr auf meinem Blog gelesen. Gleichzeitig hat Vivian ordentlich Input für meine Abschlussarbeit „Social Media gestützte Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ geliefert. Meine Schwärmerei für Vivian darf aber keineswegs die anderen Keynotes in den Hintergrund stellen. Im Gegenteil. Auch mit Katharina Nocun, Felix Neumann und Jens Albers hat man sich kompetente Speaker an Bord geholt. Da die Keynotes allerdings zeitlich in Barcamp-Sessions eingebunden wurden, war’s (mir) nicht möglich den Input aus allen vier Vorträgen mitzunehmen. Stattdessen habe ich die Möglichkeit genutzt, mir meinen eigenen Slot zu sichern.

 

#caritasdigital Barcamp – das organisierte Chaos

Eine für viele Kollegen neue Erfahrung war offenbar das Barcamp. „Eine Art organisiertes Chaos“, erläutert Maike von wigwam die Arbeitsform. Während der verschiedenen Sessions durften aber sicherlich alle Teilnehmer feststellen, dass von Chaos wenig zu spüren war. Einzig und allein die Vorbereitung und Belegung der verschiedenen Slots war irgendwie so „1.0“. Zur Organisation und Veranschaulichung der einzelnen Slots griff man auf Stellwand und Metaplan zurück. Anschließend wurden die die einzelnen Slots in Google-Docs übertragen. Klingt komisch – war aber so. Doch egal wie: am Ende stand ein Plan mit zahlreichen und inhaltlich vielfältigen Diskussionen und lösungsorientierten Arbeitsgruppen.

Gern hätte ich mich mindestens gevierteilt, um den interessantesten Kleingruppen beizuwohnen. Aber nicht jeder verfügt über die multiple Persönlichkeit, die Marc Boos unter Beweis stellt, als er die Sessions von Felix Neumann und Jens Albers pitchte. Beide hatten es aufgrund des fortwährenden Bahnproblems noch nicht ins Plenum geschafft. Erstaunlich waren die zeitlichen Ressourcen für die einzelnen Sessions. Kannte ich bislang nur kurze Einheiten von max. 30 Minuten erschienen mir die 90-minütigen Slots doch etwas oversized. Für’s nächste Mal – und das wird es hoffentlich geben – würde ich mir kürzere Sessions wünschen, um den inhaltlichen Austausch zu mehreren Themen zu ermöglichen.

Extrem kreativ fiel die Darstellung der Ergebnisse der einzelnen Workshops aus. Alle Teilnehmer waren aufgefordert im Rahmen einer Werkschau anhand eines eigens gestalteten Objekts die Ergebnisse darzustellen. Einen Blick in die Fotodokumentation auf flickr oder das Tagboard #caritasdigital kann ich diesbezüglich nur empfehlen.

 

Crowdsourcing & Kollaboration

Nachdem die Freiwilligen Sozialen Dienste (FSD) Bistum Münster bereits im Rahmen des Digital-Labors versucht haben das Thema Crowdsourcing & Kollaboration zu platzieren, durfte ich mcih während der #caritasdigital endlich etwas intensiver zur ortsunabhängigen, digitalen Teamarbeit austauschen. Am spontanen Workshop nahmen in erster Linie die jüngeren Kolleginnen und Kollegen teil, die beispielsweise während des Studiums von der kollaborativen Zusammenarbeit profitiert haben. Der Tenor der Gruppe war klar: der Einsatz digitaler Tools trägt zur ressourcenschonenden und effektiveren Arbeit bei. Bei der Frage nach dem praktischen Einsatz entsprechender Werkzeuge wurde allerdings schnell klar, dass nahezu jeder Versuch die Tools im Team zu nutzen, zum Scheitern verurteilt ist. Dafür gab’s gleich mehrere Gründe:

  • technische Schwierigkeiten und sicherheitsrelevante Einschränkungen durch die IT
  • fehlende Bereitschaft bestehende Prozesse zu hinterfragen
  • Zugangsbarrieren oder Hürden bei der Nutzung (z. B. Log-In, Google- oder Facebook-Konten)
  • digitale Affinität im Team – den Kollegen fehlt der grundlegende Mausführerschein

Davon sollten wir uns nicht Abschrecken lassen. Stattdessen muss die Initiative ergriffen werden und kritische Kollegen sollten mit ins Boot geholt werden. Wer für seine Ideen brennt, wird in der Lage sein, ein Team mitzureißen. Auch wenn Harald Westbeld bemerkte, dass es zeitweise schwierig sein kann, zu spüren wenn ein Westfalen für eine Sache brennt.

Ein erstes Hoch auf die Kollaboration gab es beim Deutschen Caritasverband bereits. Seit Juni des Jahres findet in regelmäßigen Abständen ein digitaler Stammtisch statt. Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass der Zugang ohne Unterstützung der IT nicht möglich war. Doch der technische Einsatz der Kollegen hat sich gelohnt. Schon heute freue ich mich auf den nächsten Termin. Ganz sicher werden wir bei der vierten Auflage ein paar Menschen mehr sein.

Tools

(c) @CiNW_Lahrmann on Twitter

Ein weiteres Experiment, so will ich es bezeichnen, haben wir im Anschluss an #caritasdigital direkt gestartet. Um die Möglichkeiten der kollaborativen Zusammenarbeit zu veranschaulichen, haben wir ein Etherpad initiert, auf dem die Social Media Kanäle der Tagungsteilnehmer gesammelt werden sollen. Nachdem ich gestern noch von der eigenen Idee überzeugt war, hält sich die Begeisterung heute – 18 Stunden später – in Grenzen. Die Ergänzung der Liste läuft aktuell doch eher schleppend.

Bevor wir damit starten die Ergebnisse des Workshops in Form einer Tool-Sammlung durch die Crowd zusammen zu tragen, sollten wir zunächst einmal abwarten, wie sich die Nutzung des Etherpads entwickelt. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

 

nomnomnomNetworking

Ein unheimlich tolles Erlebnis war es, zahlreiche Onliner nach teilweise mehr als vier Jahren digitaler Zusammenarbeit endlich live, real und in Farbe kennenzulernen. Leider hat’s nicht mit allen funktioniert, aber sicher werden sich weitere Gelegenheiten ergeben auch mit euch in den persönlichen Austausch zu kommen. Selbst als der offizielle Teil der Veranstaltung beendet war, gab’s bei wirklich guten Burgern und Kaltgetränken im CMP Riverside immer noch genug Content zum inhaltlichen Austausch. Mit einer Größe von 80 Teilnehmern hatte die Gruppe genau die richtige Größe, um nahezu jeden Teilnehmer wenigstens kurz kennenzulernen.

Doch nicht nur die Abendveranstaltung bot Raum für den persönlichen Austausch. Auch die digitalen Espressi in den Pausen waren eine hervorragende Möglichkeit die eigenen Ideen zur Diskussion zu stellen und Feedback zu geben.

 

Was bleibt von der #caritasdigital

Ob sich der Kot für die Dropbox gefunden hat gehört nicht hierher. Allerdings konnte ich mich mit der copy&paste – Idee nicht wirklich anfreunden. Sicher ist: wir hatten es mit einer rundum gelungenen, humorvollen und inhaltlich ansprechenden Veranstaltung zu tun. Das schreit nach baldiger und hoffentlich regelmäßiger Wiederholung. Leider hat sich aber in den vielen Randgesprächen auch bestätigt, was ich bereits zur Followerpower der Caritas schrieb: “ Nicht die Trägheit der Masse ist verantwortlich für die Reibungsverluste [im Digitalisierungsprozess], sondern die vorhandenen verbandlichen Kommunikationsstrukturen. Wer innovative Prozesse mitgehen will, der muss bereit sein, sich auf Strukturveränderungen einzulassen. Für die obere Hierarchieebene bedeuten diese Veränderungsprozesse jedoch einen gewissen Kontrollverlust.“

Unter den 80 Teilnehmern waren sicherlich 80 Teilnehmer die wollen, aber leider nicht immer dürfen wie sie könnten. Das erklärt evtl. auch, warum Arndt Krömer’s Session „Wie hole ich die Leitung ins Boot“ nur sperrlich besucht war. Mit dieser Frage hat man sich oft genug auseinander gesetzt, stößt fortwährend auf Widerstand und wird einfach müde gegen Windmühlen zu kämpfen. Euch allen wünsche ich viel Kraft und das nötige Durchhaltevermögen! Früher oder später werdet auch ihr mit euren (Social Media-) Ideen überzeugen.

Bis zur nächsten #caritasdigital freue ich mich über den interaktiven Austausch auf den digitalen Kanälen. Nur eine entscheidende Frage bleibt am Ende offen:

Hängt auch Martin Schulz in der Bilder-Galerie im Hotel am Dom?

DAS muss für heute reichen…

 

Wem es nicht reicht, der sollte mal in den Blogs der Kollegen vorbei schauen:

Comments (2)

  1. Lieber Robert, Du bist ja von der ganz schnellen Truppe… Vielen Dank für Deine Rückschau auf die Digital-Werkstatt. Das mit dem W-Lan war echt ärgerlich. Keine gute Werbung fürs Spenerhaus. Aber von dem Hänger abgesehen, lief die Werkstatt doch echt rund. Klasse, dass Du auch gleich das Hackpad ausgepackt hast. Hoffe, da machen viele mit. Ich habe Dich übrigens in unserer Zusammenfassung auch ein paar Mal erwähnt. Ehre, wem Ehre gebührt 😉 http://www.caritas-digital.de/das-war-die-caritas-digital-werkstatt-2015/

  2. […] nimmt einen zweiten Anlauf. Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr lädt der Deutsche Caritasverband e. V. nun die digitalen Aktivisten zur Neuauflage des Barcamps […]

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