Die Scheu vor politischem Aktivismus

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Wer seinen Arbeitgeber im Landtag oder gar im Bundestag findet, wer seinen Lohn über eine Beschäftigung in einschlägigen Parteizentralen verdient oder wer sich als persönlicher Referent eines hochrangigen Parteifunktionärs auszeichnet – dem kommt ein Parteibuch oft zu Gute. Was aber denken Unternehmen ohne politischen Kontext über (kommunal-)politisch aktive Mitarbeiter? Nicht immer werden die Aktivitäten der Angestellten problemlos gesehen.

Eine gewisse Skepsis kann ich durchaus nachvollziehen. Jedenfalls immer dann, wenn die eigenen Mitarbeiter im öffentlichen Interesse stehen und sich parteipolitische Inhalte nicht mit den Grundsätzen des eigenen Unternehmens decken. Da soll es ja Parteien geben, welche die Trennung von Staat und Kirche fordern. Das Mitglied einer solchen Partei, welches gleichzeitig seinen Arbeitgeber im kirchlichen Dienst findet, wird sich – schon im eigenem Interesse – bei einer solchen Debatte zurück halten!? Und auch umgekehrt ist die Zurückhaltung möglich: noch in der letzten Sitzung des Rats in Münster hat Ratsherr Joachim Bruns (Die Linke) sich, aufgrund seines Beschäftigungsverhältnisses, in den Abstimmungen zu V/0220/2013 und V/0235/2013 für befangen erklärt.

Ebenfalls nachvollziehbar, wenn nicht sogar unterstützenswert, ist die Ablehnung von Arbeitnehmern die Mitgliedschaften in extremistischen Parteien vorweisen. Allerdings kann ich mir nicht erklären, wieso ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter ablehnen sollte, der sich im demokratischen Sinne im kontroversen Diskurs engagiert. Ist es doch gerade die bunte Parteienlandschaft, die dem Demokraten eine Wahl bietet. Und auch ein Mitarbeiter, der sich über den Tellerrand hinaus für das gesellschaftliche Wohl interessiert, dürfte für einen Arbeitgeber nicht uninteressant sein. So lange sich das Engagement auf die Zeit außerhalb der Arbeitszeit beschränkt. Oftmals profitiert man in der politischen Arbeit von den Erfahrungen im Arbeitsalltag. So bringe ich beispielsweise über sechs Jahre Berufserfahrung im Bereich der Behindertenhilfe mit, die ich immer wieder gern in die Parteiarbeit einfließen lasse. Aber auch umgekehrt hat der Dienstgeber durchaus einen Mehrwert durch politische Aktivitäten; sind hier doch oft Moderations- und Präsentationstechniken gefragt. Die entsprechenden Tätigkeiten tragen schließlich zur Persönlichkeitsförderung bei.

Wer die Suchmaschinen im Internet mit meinem Namen füttert, wird relativ schnell unschwer erkennen können, womit ich mein Brot verdiene. Den selben geringen Aufwand muss man betreiben, wenn man auf der Suche nach meinen politischen Aktivitäten ist. Was allerdings nicht gelingen sollte (falls doch bin ich über jede Rückmeldung froh): meine politischen Aktivitäten in Zusammenhang mit meiner beruflichen Funktion zu bringen. Gleichzeitig gibt es selbstverständlich auch keine politischen Botschaften über offzielle Firmenprofile.

Grundsätzlich denke ich allerdings, dass das ein Mindestmaß an Professionalität ist, die ich bei einem kommunalpolitisch engagierten Parteimitglied mit mehr als 6 Jahren Erfahrung in Führungspositionen durchaus voraussetzen darf und DAS muss für heute reichen…

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