Inklusion: alle für JUBI für alle

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Rote Karte für die Sparpläne des Kirchenvorstands

Die Inklusion in der Jubi Nordwalde steht vor dem Aus, aber nur wenige Tage nach der Hiobsbotschaft des ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken hat sich Einiges getan. Ein ursprünglich dem Fundraising gewidmetes Wochenende funktionierte das Honorarteam für inklusive Angebote kurzerhand zum Strategieworkshop um. Daraus entstand die Initiative „alle für JUBI für alle“. Auf der zugehörigen Facebook-Seite wird schnell deutlich, welchen Rückhalt die Initiatoren in der breiten Öffentlichkeit haben. Erklärtes Ziel ist der Erhalt der Angebote zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen am Standort Nordwalde.

Sparen an der Inklusion - Rote Karte für den Kirchenvorstand

Rote Karte für den Kirchenvorstand CC-BY-NC-SA

Als ich am vergangenen Wochenende einen Anruf aus der Jubi Nordwalde erhalte, muss ich nicht lange überlegen. Selbstverständlich will ich meine Erfahrungen in der Begleitung von Web 2.0 Projekten und mein know-how aus der Entwicklung von Social Media Strategien für non-profit Organisationen (NPO) in das Kompetenzteam einbringen. Erstens liegt mir die Inklusion seit Jahren am Herzen und die Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention in allen Gesellschaftsbereichen ist mir ein großes Anliegen. Zweitens bin ich als freier Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte Nordwalde mehr oder weniger selbst von der Entscheidung des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken betroffen. Leider bleibt uns bis zur Kreissynode am 25. Juni 2014 in Ramsdorf nicht viel Zeit. Aber unter Druck arbeitet es sich bekannter Weise am Kreativsten. Innerhalb kürzester Zeit hat sich ein Redaktionsteam zusammengefunden, das nun die Facebook-Kampagne begleitet. Die bundesweiten Abstimmungsprozesse laufen kurzfristig Online. Natürlich werden alle Beteiligten kollaborativ in die Abstimmprozesse eingebunden. Dazu gehören auch die Co-Mitarbeiter der Jubi. Bei der politischen Interessenvertretung arbeiten Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung Hand in Hand zusammen. So sieht es aus, wenn Inklusion funktioniert. Social Media at its best!

Vor allem durch die erste große Aktion „Rote Karte für den Vorstand!“ wird schnell deutlich, welchen Stellenwert die Inklusion allgemein, aber vor allem auch die Jubi Nordwalde in der münsterländischen Region hat. In nur fünf Tagen erreicht der Post mehr als 1.750 Menschen allein über Facebook. Wieviele Rote Karten tatsächlich beim Vorstand eingehen, werden wir wohl nie ernsthaft erfahren, aber meine rote Karte haben die Synodalen sicher schon auf dem Schreibtisch (oder im Papierkorb) liegen. Wer dem Vorstand selbst die rote Karte zeigen will, dem wird sowohl eine Vorlage zum Druck auf rotem Papier zur Verfügung gestellt, als auch eine Vorlage für den Farbdruck.

Hatte der Kreissynodalvorstand ursprünglich offenbar geglaubt, die Einsparmaßnahme unter dem Deckmantel des Reformprozess „Kirchenkreis 2017“ einfach durchwinken zu können, müssen die Delegierten aller Gemeinden, Fachbereiche und kirchlichen Einrichtungen nun wohl mit deutlichem Gegenwind aus dem Lager der Schließungsgegner rechnen. Das große Interesse am Erhalt der Inklusion in der Jubi Nordwalde spiegelt sich relativ schnell auch in den Printmedien wieder. Als Reaktion auf ihren Bericht vom 28. März 2014 erhielt die Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten in Burgsteinfurt zahlreiche Leserbriefe. Gleichzeitig machte auch unsere Facebook-Seite gezielt auf sich aufmerksam. Da ist es sicher nicht verwunderlich, dass wir spontan zu einem Pressegespräch eingeladen wurden.

Sparen an der Inklusion

„Angesichts schwindender Ressourcen werden wir unsere Angebote und Dienste im Kirchenkreis in den kommenden Jahren nicht mehr in dem gewohnten Maße aufrechterhalten können“, meint Superintendent Joachim Anicker.

Warum es ausgerechnet die Jubi Nordwalde und damit die Angebote zur Förderung der Inklusion treffen soll bleibt weiter unklar. Neben der Pressemitteilung des Kirchenkreises werden bislang keine weiteren, den Betriebswirtschaftler zufriedenstellende Daten veröffentlicht. Aber sollte es nicht eigentlich im Interesse der Synodalen selbst sein, in einer möglichst transparenten Art und Weise ihr Vorgehen zu begründen? Könnte doch andernfalls das aufmerksame Gemeindemitglied durchaus vermuten, dass der Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken über ähnliches „Sondervermögen“ verfügt, wie der Kirchenkreis Herford. Natürlich handelt es sich an dieser Stelle um eine reine, unbelegte Hypothese. Dank der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) besteht ja glücklicherweise die Möglichkeit für Gewissheit zu sorgen. Heißt es dort zum Thema Kirchenfinanzen doch:

„Kirchliche Haushaltspläne sind zu veröffentlichen und/oder zur Einsicht auszulegen.“

Eine Veröffentlichung habe ich bislang nicht gefunden, aber Einsichtnahme kann man ja mal beantragen. Vielleicht sollten wir schon mal ein Musterschreiben anfertigen. DAS muss für heute reichen…

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