Vainstream: Inklusion oder Exklusiv-Angebot?

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Auch zwei Wochen nach dem #Vainstream Rockfest 2013 verbreitet sich ein emotionales Bild weiterhin viral in den sozialen Netzwerken. Schon über 5.000 mal wird das Foto eines jungen Rollstuhlfahrers beim Crowdsurfing auf Facebook geliked und über 400 mal geteilt. Ein Motiv der gelebten Inklusion – könnte man meinen! Auch ich bin der Verlockung des derzeitigen Modebegriffs „Inklusion“ kurzzeitig auf den Leim gegangen, als ich ein Bild der Aktion auf meinem privaten Facebook-Profil geteilt habe: „So sieht das aus, wenn ‪#‎Inklusion‬ trotz eingeschränkter ‪#‎Barrierefreiheit‬ funktioniert! ‪#‎Crowdsurfing‬ vom Feinsten!“


Vainstream: Rollstuhl-Crowdsurfing
(c) piratelove.de / Fotograf: schneekind.org

In meinem Blogpost „Facebook inklusiv – Wie barrierefrei ist der Social-Network-Riese?“ habe ich bereits erläutert, dass wir unter Inklusion „die uneingeschränkte Möglichkeit zur vollständigen Partizipation an allen Angeboten (Arbeit, Bildung, Freizeit, Konsum, Leben in der Gemeinschaft) der Gesellschaft“ verstehen. Das Vainstream Rockfest auf dem Hawerkamp ist für viele Münsteraner und auswärtige Musikliebhaber ein Highlight. Allgemein genießt das Festival jedoch unverständlicher Weise nicht dieselbe kulturelle Bedeutung wie z. B. die, in diesem Jahr zeitgleich angesetzten, AaSeerenaden. Trotzdem sprechen wir beim Vainstream ebenfalls von einem gesellschaftlichen Angebot.

Auch ich habe das Event am 06. Juli besucht. Im Nachgang habe ich mich selbst gefragt: wie barrierefrei war das Festival tatsächlich gestaltet? Können wir von einem inklusiven Angebot sprechen, oder werden Menschen mit Mobilitätseinschränkungen von der Teilhabe ausgeschlossen. Eine professionelle Auseinandersetzung hätte vor Ort sicher eine differenziertere Betrachtung erfordert. Ein Auftrag, den ich gerne für das Vainstream 2014 noch einmal mitnehme.

Homepage der Veranstalter

Die barrierefreie Homepagegestaltung ist sicherlich eine Herausforderung, bei der viele Faktoren zu berücksichtigen sind. Leider muss ich an dieser Stelle bereits deutliche Selbstkritik üben, denn auch dieser Blogpost ist sicher nicht barrierefrei in leichter Sprache geschrieben.

Auch die Hompage http://www.vainstream.com/ ist nicht barrierefrei gestaltet. Häufig werden verschachtelte Sätze benutzt. Die Schriften sind zwar kunstvoll gestaltet, aber eben auch verschnörkelt und an vielen Stellen fehlt es an konstrastvoller Gestaltung.

Zugang zum Gelände

Das Festivalgelände am Hawerkamp selbst ist grundsätzlich auch mit dem Rollstuhl barrierefrei zu erreichen. Die Lippstädter Straße, an der sich der Eingang zum Vainstream befand, ist durchgehend geteert. Das Gelände selbst ist allerdings sehr uneben. Auch die Getränkestände sind für mobilitätseingeschränkte Menschen eher schlecht zu erreichen und die Theke für einen Rollstuhlfahrer definitiv zu hoch. Das ist allerdings leider eher der Regelfall.

Beschilderung 

Voller Vorfreude auf das Festival habe ich bereits bei meiner Anreise aus Bieledings folgenden Tweet aufgeschnappt: Haben uns 2x verlaufen bis wir den Ausgang gefunden hatten. Organisationstechnisch echt Mist hier. “ 

In meinen Augen war der „organisationstechnische Mist“ wohl etwas übertrieben, allerdings wurde mir vor Ort angekommen recht schnell deutlich woran es hakte: die eindeutige Beschilderung. Im Sinne der barrierefreien Gestaltung sinnvoller Weise als unmissverständliche Piktogramme. Zumindest für die wichtigsten Anlaufstellen wie Ausgang, Sanitäranlagen und Getränkestand ist durchaus Verbesserungspotential vorhanden.


Leider scheinen Menschen mit Behinderungen im Bereich der Angebote von kulturellen Musikveranstaltungen im rockigen Musikgenre noch nicht generell als Adressaten berücksichtigt zu werden. Bereits im September 2012 machte Münster4Life eine ähnliche Feststellung, als man auf Facebook den Versuch startete eine barrierefreie Rockkneipe in Münster zu finden. Die Auswahl fiel  eher gering aus.

Ein Vorwurf wäre bei den Veranstaltern und Kneipenbetreibern aber Fehl am Platz. Viel mehr müssen wir die gesellschaftliche Umdenke weiter angehen. Inklusion muss sich als Grundgedanke in der Gesellschaft manifestieren. Dann werden auch Festivals und andere Veranstaltungen zum barrierefreien Selbstläufer.

Fazit

Auch wenn sich das Vainstream sicher nicht ohne großen Aufwand als inklusives Rockfest profilieren wird, so macht das Bild des crowdsurfenden Rollstuhlfahrers doch Mut. An den Stellen wo uns Inklusion nicht gelingt, sind Integration und Hilfsbereitschaft sowie soziales Engagement immer noch die sinnvollere Alternative gegenüber Seperation und Exklusion. Die Crowd hat ein klares Zeichen gesetzt und für einen großen emotionalen Moment gesorgt. Auch die Security haben ihren Beitrag zum gelungenen Crowdsurfing beigetragen. WOW!

Wie in vielen anderen Bereichen bleiben allerdings weiterhin Optimierungsmöglichkeiten zur barrierefreien Gestaltung kultureller Gesellschaftsangebote und DAS muss für heute reichen…

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