Verflixte Fahrerei

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Durch die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes fällt zum 01. Januar 2013 das Fernreisemonopol der DB. Wie die Pilze schießen seitdem die Fernreisebusse aus dem Boden. Selbst ADAC & Post gehen seit Neustem mit eigenen Fahrzeugen auf die Straße. Über die neutrale Suchmaschiene http://www.busliniensuche.de/ habe auch ich für den Rückweg meiner letzten Berlinreise erstmalig eine Busverbindung gewählt.

Nachdem mir also das Vergleichsportal die Fahrt mit Flixbus als günstigste Alternative auswirft, recherchiere ich im Internet nach Erfahrungsberichten. Auf entsprechende Links verzichte ich an dieser Stelle, da offenbar völlig unterschiedliche Erfahrungen gemacht werden. Einen meiner Meinung nach recht ungefilterten Eindruck bekommt man aber auf jeden Fall auf der Flixbus Facebook-Seite. Am Ende denke ich mir: „Du musst Dir Dein eigenes Bild machen!“

Die Buchung

Der Buchungsvorgang selbst ist relativ leicht gestaltet. Schon bei der ersten Buchung gehe ich davon aus, dass es sicher nicht die letzte Reise mit Flixbus sein wird. Von daher entscheide ich mich für eine Registrierung. Eine Buchung ist mit Paypal oder Kredikarte aber auch ohne Registrierung möglich. Die Eingabe von ein paar persönlichen Daten ist aber in jedem Fall notwendig. Das Ticket erhalte ich anschließend per E-Mail zum Ausdruck. Wie ich später festelle scheint’s auch möglich zu sein, sich den Fahrschein direkt auf’s Handy schicken zu lassen – ich fahre nämlich nicht allein mit dem Bus von Berlin nach Münster. Aber dazu später mehr.

Wer mit diesem Internet nicht ganz vertraut ist, der kann (zumindest am ZOB in Berlin) die Ticktes auch vor Ort am Schalter erwerben. Allerdings empfehle ich eher, sich bereits im Vorfeld für eine Fahrt zu registrieren. Schließlich fahren die Linien nur zweimal am Tag und das kann u. U. lange Wartezeiten bedeuten.

Der Preis

Überzeugend ist bei meiner Entscheidung in erster Linie der Preis gewesen. Der Normalpreis für die Fahrt von Berlin nach Münster beträgt 18,00 €. Selbst bei http://www.mitfahrgelegenheit.de/ und http://www.mitfahrzentrale.de/ liegen die Preise bei rund 25 €. Zum Vergleich: der bisherige Platzhirsch auf Fernverbindungen, die Deutsche Bahn, nimmt für die Fahrt derzeit den Normalpreis von 98,00 € ohne Sitzplatzreservierung. Mit Sparpreis, BahnCard und Zugbindung und Sitzplatzreservierung reduziert sich das Ganze im günstigsten Fall aber auch auf ca. 27 €.

Aber auch Flixbus bietet über Coupon- und Gutscheinaktionen immer wieder Preisreduzierungen. So ist wohl vor Allem der Lidl-Gutschein zum Preis von 9,90 € (einsetzbar auf jeder Strecke) recht attraktiv.

Der Service

Auch das Service-Angebot im Bus gefällt mir: kostenloser WLAN-Zugang auf der gesamten Fahrt, Steckdose an jedem Doppelsitz (bis 100 Watt), kleine Snacks (Snickers, Mars, Twix, Bifi…) und Kaltgetränke zu humanen Preisen. Getränke kosten in der 0,5 Liter Pfandflasche 1,50 € – so lange der Vorrat reicht.

Zwar sind die Sitze im Bus recht geräumig ausgestattet, aber mein Laptop hab ich trotz WLAN nicht ausgepackt. Dann wird’s irgendwann mit dem Platz doch etwas eng. Der kostenlose Service bot sich allerdings an, um Mails zu checken, den Feedreader zu lesen und Kontakte zu pflegen. Auf dem Nachbarsitz wird sogar geskyped. Das funktioniert problemlos allerdings nur so lange, wie wir nicht durch Brandenburg fahren. Das hier generell aber noch mit Hilfe der „Feuer von Rohan“ kommuniziert wird, haben +Maik Meid und ich schon in der Bahn auf dem Weg zu unserem Kaffee mit Bill Gates festgestellt.

Vor allem über den Zustand der Sanitäranlagen habe ich im Vorfeld viel Kritik gelesen. Auch unsere Fahrer Ulf und Udo weisen uns vor Abfahrt darauf hin, die Toilette nur für „das Nötigste“ zu nutzen und auf „große Geschäfte“ zu verzichten. Außerdem empfiehlt man „allen mit Schuhgröße 45 und mehr direkt rückwärts auf die Toilette zu gehen, da die Bewegungsfreiheit in der Kabine sehr eingeschränkt ist“. So wild stellt sich das Ganze dann aber gar nicht dar. Und das Wichtigste: es ist sauber! Das liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass Ulf vor allem den männlichen Fahrgästen noch mal erklärt, dass das Sitzpinkeln (vorsicht: Satire) gar nicht so kompliziert ist.

Die Sicherheit

… kann ich fachmännisch nicht beurteilen. Aber der eingesetzte Bus wirkt augenscheinlich erstmal neu und ist mit allen Extras ausgestattet. Die Fahrer sind vom regionalen Unternehmen Erfmann Reisen eingesetzt und scheinen nicht zum ersten Mal auf dem Bock zu sitzen. Vor der Abfahrt leuchtet eine Warnlampe im Cockpit und der Beifahrer wird noch mal zur Kontrolle der Gepäckklappen nach draußen geschickt. Dann kann’s aber auch schon fast los gehen. Vorher aber noch ein letzter Hinweis aus den Lautsprechern im Bus: „Anschnallpflicht!“

Die Mitfahrer

Schon oft habe ich die Busse der Fernreise-Unternehmen auf der Autobahn gesehen. Allerdings sehen die von Außen immer recht leer aus. Somit stelle ich mich im Vorfeld auf eine entspannte, ruhige Fahrt im geräumigen Bus ein. Allerdings habe ich die Rechnung offenbar ohne meine Mitfahrer gemacht. Zwar ist der Reisebus nicht komplett bis auf den letzten Platz besetzt, aber die Kapazitätsgrenze ist dennoch nahezu erreicht. Die Bandbreite der Reisegäste ist enorm. Überwiegend sitzen Studenten auf den Sitzen, die ihre Lernskripte auf der Ablage durchblättern. Aber auch das „ältere Semester“ ist mit an Bord. Die zwei Damen sind auf der Rückreise von einem Besuch bei einer gemeinsamen Freundin. Hinter mir sitzt ein Paar, das ihren Sohn in seiner neuen Berliner Wohnung besucht hat.

Wer alleine reist hat auf jeden Fall genug Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen. Egal ob am Bussteig vorm Check-in, oder auf der Fahrt zum Zielort. Sechs Stunden sind schon eine verdammt lange Zeit, um sich einfach nur anzuschweigen. Aber selbstverständlich ist auch das möglich. Gerade in der dunklen Herbstzeit fällt es mir dann übrigens auch nicht schwer, den Schlafmangel des Vortags auszugleichen.

Die Fahrzeit

Natürlich dauert’s mit dem Bus etwas länger als mit der Bahn. Für die gesamte Strecke mit Zwischenhalt in Hannover und Osnabrück sind 6 Stunden und 15 Minuten angesetzt. Kurz vor Hannover dann aufgrund eines Unfalls in einer Baustelle auf der A2 der erste und am Ende einzige kleinere Stau mit Verzögerungen. Ansonsten läuft alles recht flüssig.

Wir sind am Sonntag Abend pünktlich exakt um 21:30 Uhr am Bremer Platz in Münster – so genau läuft’s nach Auskunft der Fahrer allerdings selten. Genau wie die Fahrt mit dem eigenen PKW ist die Busreise immer abhängig vom Verkehrsfluss. Und da hat man gerade auf der A2 ja schon so einiges gesehen.

Mein persönliches Fazit

Ich muss zugeben, dass ich zunächst recht skeptisch war, was die Busreise auf dieser Strecke angeht. Aber ich wollte eben meine eigenen Erfahrungen machen. Alles in Allem war ich mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als zufrieden. Und das obwohl ich den „Normalpreis“ gezahlt habe. Für die Hinfahrt werde ich aber auch weiterhin auf die Bahn zurückgreifen, was allerdings in erster Linie mit dem Fahrplan zusammenhängt. Ich kann die Fernbusse niemandem pauschal ans Herz legen – ist die Reisebefindlichkeit doch subjektiv völlig unterschiedlich. Ich würde aber jedem empfehlen es einfach mal zu testen. DAS muss für heute reichen…

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